ver.di droht mit unbefristetem Streik bei Amazon

Das wird Millionen Amazon- Kunden in Deutschland gar nicht schmecken. Im Streit um die Tarifbindung bei Amazon plant Ver.di nun tatsächlich unbefristete Streiks beim weltweit führenden Online- Riesen. Die Gewerkschaft will mit weiteren Streiks in den nächsten Tagen den Druck auf Amazon unweigerlich erhöhen. Wenn es dann keine Einigung geben wird, droht der unbefristete Stillstand. Neben den eigenen Mitarbeitern werden somit demnächst wohl auch die Kunden Amazon im Nacken sitzen.

Der Streik als letztes Mittel gegen Unterbezahlung

Die Kernfrage, um die sich bei diesem ganzen Streit alles dreht, bezieht sich auf die Einordnung des Onlinehändlers. Ist Amazon ein Logistikunternehmen oder nicht vielleicht doch ein Einzel- und Versandhandel? Hier gehen bei Gewerkschaft und Unternehmen die Meinungen auseinander. Die Konsequenzen für das Unternehmen wären im Falle einer Einordnung als Versandhandel jedoch gravierend. Während die Mitarbeiter als Angestellte eines Logistikunternehmens zwischen 9,65 Euro bis maximal 11,12 Euro verdienen, liegt der Verdienst im Versandhandel mit 11,47 Euro bis 11,94 Euro bis zu 2 Euro darüber. Es versteht sich von selbst, dass die Mitarbeiter sich daher gern im Versandhandel ansässig sehen, und dass Amazon gerade dies nicht möchte. Chronische Unzufriedenheit nicht nur beim Gehalt Von den knapp 3700 Angestellten allein in Bad Hersfeld sind mehr als 2100 mit befristeten Arbeitsverträgen beschäftigt. Diese stetige Unsicherheit aufgrund eines wackeligen Arbeitsplatzes schürt vor allem die Angst vor Fehlern oder Krankheit. Doch auch das Verlängern der Arbeitsverträge sichert den Beschäftigten keinen dauernden Arbeitsplatz. Auch hierfür wollen die Mitarbeiter kämpfen. Auch die Tatsache, dass seit 2006 keinerlei Lohnerhöhungen stattfanden, regt den Verdruss bei den Mitarbeitern und viele sind daher nicht mehr bereit, längere Arbeitszeiten in Kauf zu nehmen. Nachtzuschläge werden erst ab Mitternacht bezahlt, Weihnachts-, oder Urlaubsgeld fällt komplett weg. Das lässt sich keiner auf Dauer gefallen. Von nichts kommt eben nichts. Und wer zu seinem Recht kommen will, muss manchmal eben etwas nachhelfen. Auch die Kunden bekommen die Konsequenzen zu spüren Für einen Großteil der Bestellungen würden unbefristete Streiks längere Lieferzeit bedeuten und bei geplanten Zeitpunkten der Bestellung wie zum Beispiel Geburtstage ein möglicherweise zu spätes Eintreffen der Pakete. Schon allein aus dieser Perspektive betrachtet ist zu hoffen, dass Amazon sich bald mit Ver.di zugunsten seiner deutschlandweit 8800 Angestellten einig wird.

Deine Meinung ist uns wichtig

*